Politikwissenschaft A
Leseprobe

Heywoods Definition und ihre Funktionen

Vorlesung 3 · Ideologie

Unterkapitel 3.3 · ca. 4 Min Lesezeit

Eine ganze Seite aus der Zusammenfassung, so wie du sie im Kurs liest.

Dieses Unterkapitel befasst sich mit Heywoods Definition von Ideologie, ihren drei Bestandteilen und ihren drei Funktionen. Es ersetzt den kritischen Begriff aus 3.2 durch den neutralen, mit dem 3.4 die Ideologien ordnet und 3.5 bis 3.7 sie anwenden. Im Kurs ist es das Raster, mit dem die Semesteraufgabe die ideologischen Grundannahmen einer politischen Neuerung prüft.

Definition

Ideologie nach Heywood ist ein Ideenbündel von unterschiedlich starker innerer Stimmigkeit, das organisiertes politisches Handeln anleitet und begründet, ob es die bestehende Machtordnung sichern, umbauen oder ablösen will. In diesem handlungsleitenden Sinn wirken politische Ideologien als Paradigmen.

Weltbild

Die Diagnose: wie die bestehende Ordnung beschaffen ist und was an ihr zu kritisieren ist.

Gute Gesellschaft

Das Zielbild: wie die erwünschte Gesellschaft aussehen soll.

Theorie des Wandels

Der Weg vom einen zum anderen: wie und durch wen Wandel möglich und geboten ist.

Das Weltbild beschreibt, die gute Gesellschaft wertet, und die Theorie des Wandels verbindet beides und macht aus einer Haltung ein Handlungsprogramm. Heywood zeichnet die drei als Dreieck, und die Vorlesung nutzt die Kurzformel "Weltbild, gute Gesellschaft, Wandel" für jede Anwendung. Weil Ideologien zugleich beschreiben und werten, liegen sie an der Schnittstelle von Sein und Sollen, und weil sie die Welt verändern wollen, nennt Heywood sie angewandte politische Philosophie.

Im Schlusskapitel begründet Heywood, warum Ideologien von Bedeutung sind, mit drei Funktionen, die je einem Bestandteil entsprechen.

Funktionwas sie leistetBestandteil
die Welt verständlich machenIdeologien sind Brillen, die Beziehungen, Strukturen und verborgene Vorurteile sichtbar machenWeltbild
der Politik moralischen Sinn gebensie verbinden, was ist, mit dem, was sein soll; ohne sie verkaufen Parteien Produkte statt Hoffnungengute Gesellschaft
Gemeinschaft stiftensie geben Menschen einen Grund, an etwas Grösseres zu glauben, und wirken wie ein KittWandel als gemeinsames Handeln

Ideologien sind ausserdem fliessende Ideenkomplexe, die sich überschneiden und Mischformen bilden, etwa einen konservativen Nationalismus. Gleiche Wörter wie Freiheit oder Gerechtigkeit werden von allen Lagern verschieden gefüllt; Gallie nennt solche Begriffe essenziell umstritten, weil der Streit über sie nie zu einer festen Definition führt.

Nicht abwertend gemeint

Heywoods Definition fällt kein Urteil: Eine Ideologie kann gut oder schlecht, wahr oder falsch sein. Die drei Bestandteile sind Pflichtbestandteile jeder Ideologie, und die Fazitfolie hält fest, dass Ideologien weniger stimmig und spannungsreicher sind, als man gemeinhin annimmt.

Im Kurs stehen unter jeder Seite die Verständnischecks, und der Coach beantwortet Fragen zu dem, was du gerade liest. Hier ist nur die Seite selbst.

Der ganze Kurs

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